Eva Kaiser – Sichtbarkeit des Unsichtbaren
Aktion, Material und innere Wirklichkeit in der zeitgenössischen Malerei
Die in Salzburg lebende Künstlerin Eva Kaiser gehört zu jenen Positionen der Gegenwartskunst, deren Werk sich konsequent einer rein äußerlichen Lesbarkeit entzieht. Ihre Malerei ist weniger Abbild als Prozess, weniger Darstellung als Verdichtung innerer Zustände. Im Zentrum ihres künstlerischen Interesses steht die Frage nach dem Verhältnis von Sichtbarkeit und Verborgenem – nach jener Schicht unter der Oberfläche, die den eigentlichen Kern menschlicher Erfahrung ausmacht.
Biografische Prägung und künstlerische Ausbildung
Eva Kaisers künstlerischer Werdegang ist geprägt von einer frühen Nähe zur Kunst sowie von einer ungewöhnlich vielfältigen Ausbildung. Geboren in Salzburg und ausgebildet an der dortigen Kunstgewerbeschule, arbeitete sie zunächst als Designerin und Werbegrafikerin. Diese Phase vermittelte ihr ein ausgeprägtes Gespür für Komposition, Zeichenhaftigkeit und visuelle Wirkung – Elemente, die auch in ihrer späteren freien Malerei subtil präsent bleiben.
Einen entscheidenden Wendepunkt markiert die intensive Hinwendung zur bildenden Kunst nach der Geburt ihrer Kinder. Ab diesem Zeitpunkt widmete sich Kaiser ausschließlich der Malerei. Ihre Studien führten sie 2002 in die Meisterklasse von Jacobo Borges, wo sie sich mit figurativen Themen auseinandersetzte, bevor sie 2003–2005 in die Klasse von Hermann Nitsch aufgenommen wurde. Dort arbeitete sie ausschließlich aktionistisch und abstrakt – eine Erfahrung, die für ihre künstlerische Orientierung prägend werden sollte.
Aktionismus, Energie und Materialität
Die Auseinandersetzung mit dem Wiener Aktionismus, insbesondere mit der künstlerischen Haltung Hermann Nitschs, bildet einen zentralen Referenzpunkt in Eva Kaisers Werk. Nitsch selbst charakterisierte ihre Kunst als eine „rauschhafte Lebenserfassung“ – als zutiefst lebendige, sinnenfrohe und weltliche Kunstform, die sich bewusst von asketischer oder meditativer Zurückhaltung distanziert. Diese Einschätzung verweist auf das Grundverständnis von Kaisers Malerei als energetischem Akt.
Ihre Arbeiten entstehen in einem Spannungsfeld zwischen Kontrolle und Loslassen. Rasche Gesten, expressive Farbsetzungen und dynamische Formen prägen die Bildoberflächen. Die verwendeten Materialien – Öl, Acryl, Mischtechniken und Collagen – werden nicht hierarchisch eingesetzt, sondern als gleichwertige Mittel eines offenen, prozesshaften Arbeitens verstanden. Die sichtbaren Spuren des Entstehens sind integraler Bestandteil der Bildaussage.
Das Nicht-Sichtbare als Bildinhalt
Inhaltlich kreisen Eva Kaisers Werke um Themen wie Identität, Eros, Mystik und innere Zustände. Dabei geht es ihr nicht um narrative Illustration, sondern um das Sichtbarmachen dessen, was sich dem direkten Blick entzieht. Kaiser selbst formuliert diesen Anspruch explizit: Kunst versteht sie als Spiegelbild des Inneren, des Unbewussten, der geheimnisvollen Welt hinter der Fassade des Sichtbaren.
Die Oberfläche ihrer Gemälde fungiert dabei als Ergebnis eines verborgenen Prozesses. Was sichtbar wird, ist nicht der Ausgangspunkt, sondern die Verdichtung einer inneren Bewegung. In diesem Sinne ist ihre Malerei weniger repräsentational als existenziell. Der Betrachter wird nicht zur schnellen Deutung eingeladen, sondern zur kontemplativen Annäherung.
Positionierung im zeitgenössischen Kontext
Eva Kaisers Werk lässt sich weder eindeutig der abstrakten noch der figurativen Malerei zuordnen. Vielmehr bewegt es sich bewusst im Dazwischen – dort, wo Formen assoziativ bleiben und Bedeutungen offen. Diese Offenheit verleiht ihren Arbeiten eine zeitgenössische Relevanz, die sich auch in ihrer Präsenz auf Ausstellungen, Kunstmessen und in Galeriekontexten im In- und Ausland widerspiegelt.
Ihre Kunst versteht sich nicht als dekoratives Objekt, sondern als energetisches Gegenüber. In einer Zeit, die vom Primat des Sichtbaren und der schnellen Bilder geprägt ist, formuliert Eva Kaiser eine entschiedene Gegenposition: Malerei als Ort der Verdichtung, der Intensität und der inneren Wahrheit.
Fazit
Eva Kaiser steht für eine Malerei, die das Leben nicht abbildet, sondern durchlebt. Ihre Werke sind Ausdruck einer künstlerischen Haltung, die Aktion, Emotion und Material zu einem kraftvollen Ganzen verbindet. Indem sie das Nicht-Sichtbare sichtbar macht, eröffnet sie einen Raum jenseits der Oberfläche – einen Raum, in dem Kunst als existenzielle Erfahrung erfahrbar wird.
Mailadresse: painting@evakaiser.com
Webseite: www.evakaiser.com
GALLERY 91
Hans Rettenbacher
Kaigasse 31
5020 Salzburg
Öffnungszeiten:
MI – FR 11 – 17 Uhr
SA 10 – 18 Uhr
EVA KAISER - venture in - 130 x 205 - Mischtechnik auf Leinwand. Eva Kaiser, abstrakte Malerei mit expressiver Gestik und intensiver Farbigkeit, geprägt von Aktionismus und innerer Dynamik.
Auf diesem Foto ist die Künstlerin Eva Kaiser aus Salzburg selbst zu sehen.
EVA KAISER - weiblicher Akt - 100 x 80 - Acryl auf Leinwand. Zeitgenössisches Gemälde von Eva Kaiser, Mischtechnik mit dynamischen Formen, sichtbarem Malprozess und energetischer Bildstruktur.
EVA KAISER - nur eine Frage? Ed: X - 100 x 80 - Mischtechnik auf Leinwand. Eva Kaiser im Atelier, kraftvolle abstrakte Malerei zwischen Emotion, Materialität und dem Sichtbarmachen des Unsichtbaren.