Ausstellung

Kunst in Berlin 1880–1980: Chronik, Vielfalt und inklusive Zugänge in der Berlinischen Galerie

Ein Rundgang auf mehr als 1000 Quadratmetern durch hundert Jahre Berliner Kunstgeschichte: Die Berlinische Galerie zeigt rund 250 Werke vom Kaiserreich bis zur geteilten Stadt, seit April 2025 neu aufgestellt, mit wiederentdeckten Künstlerinnen, einer Hommage an Hannah Höch und umfassenden Angeboten zur Barrierefreiheit.

Gemälde: nächtlicher Hochbahnhof Nollendorfplatz mit erleuchteter Kuppel, Lichtern und Passanten in dunklen Blau- und Grüntönen
Lesser Ury: Bahnhof Nollendorfplatz bei Nacht, 1925 (Stadtmuseum Berlin)

In der Dauerausstellung Kunst in Berlin 1880–1980 erzählt die Berlinische Galerie die Geschichte der Stadt anhand von rund 250 Werken aus Malerei, Grafik, Skulptur, Fotografie, Architektur und Künstlerarchiven. Auf mehr als 1000 Quadratmetern im ersten Obergeschoss entfaltet sich eine chronologische Zeitreise durch die Berliner Kunst. Seit April 2025 präsentiert sich die Sammlung in neuer Aufstellung, vielfältiger und zugänglicher als zuvor.

Historischer Überblick und Struktur der Ausstellung

Der Rundgang führt in 17 Kapiteln durch ein Jahrhundert: vom Kaiserreich über die Weimarer Republik und die nationalsozialistische Diktatur bis zum Neuanfang nach 1945, zum Kalten Krieg in der geteilten Stadt und zu den alternativen Szenen der 1970er Jahre. So wird sichtbar, wie Künstlerinnen und Künstler auf die politischen und gesellschaftlichen Umbrüche ihrer Zeit reagiert haben, von der Berliner Secession über Dada und die Neue Sachlichkeit bis zur Malerei und Fotografie im Schatten der Mauer.

Entdeckungen und Wiederentdeckungen

Zum Jubiläum ergänzt das Museum die Ausstellung um Werke, die lange nicht oder selten zu sehen waren. Ausgewählt wurden sie unter anderem aus den ersten hundert Kunstwerken, die in die Sammlung kamen. Die neuen Abschnitte stellen oft zwei Positionen nebeneinander:

  • Marie Panckow: „Belvedere auf dem Klausberg, Potsdam“ (1870–1875)
  • Jeanne Mammen und Julie Wolfthorn: darunter Mammens „Die Schwester im Atelier“ (um 1913) und Wolfthorns „Flötenbläser“ (um 1900)
  • Großbauvorhaben der NS-Zeit
  • „Genossin Architekt, Kollegin Architekt“: Architektinnen in Ost und West
  • Cornelia Schleime und Gülden Artun: Schleimes „Mädchenkopf“ (1985) und Artuns „König“ (1983)
  • Helga Paris und Michael Schmidt: Fotografie aus Ost- und West-Berlin, etwa Paris’ „Berliner Jugendliche“ (1982) und Schmidts Serie „Berlin-Wedding“ (1976/77)

Hannah Höch – Eine Hommage

Ein Höhepunkt der Neuaufstellung ist der Raum „Hannah Höch – Eine Hommage“. Zum 50-jährigen Bestehen widmet die Berlinische Galerie der Dada-Künstlerin einen eigenen Raum mit Hauptwerken der 1910er und 1920er Jahre, darunter „Roma“ (1925) und „Die Braut (Pandora)“ (1924/1927). Das Museum besitzt heute den weltweit größten Bestand zu Hannah Höch.

Neu ist auch, dass die Ausstellung erzählt, wie und warum Werke in die Sammlung gekommen sind. Einige Kapitel wurden ganz neu gestaltet.

Gäste aus dem Stadtmuseum: dreimal Nollendorfplatz

Im Oktober 2022 kamen zwölf Highlights aus der Gemäldesammlung des Stadtmuseums Berlin als Leihgaben in die Dauerausstellung. Sie setzen Akzente in der frühen Moderne: Lovis Corinth ist gleich mit mehreren Porträts vertreten, darunter „Charlotte Berend im weißen Kleid“ (1902) und „Walter Leistikow“ (1893), dazu kommen Walter Leistikows „Abendstimmung am Schlachtensee“ (um 1895), Theo von Brockhusens „Wind an der Havel, Geltow“ (um 1914) und Max Beckmanns „Selbstbildnis (lachend)“ (1910).

Ein Motiv taucht gleich dreimal auf: der Nollendorfplatz in Schöneberg. Max Beckmann malte ihn 1911, Ernst Ludwig Kirchner 1912 mit seinen schräg gekippten Straßenbahnen, Lesser Ury 1925 den Hochbahnhof bei Nacht. Drei Blicke auf denselben Ort, die zeigen, wie die Großstadt die Malerei verändert hat.

Inklusive Vermittlung: Barrierefreiheit und Zugänglichkeit

Die Ausstellung ist auf umfassende Zugänglichkeit ausgelegt: Sie ist stufenlos und per Aufzug erreichbar, nur der Prounenraum hat eine Schwelle. Rollstühle und Klapphocker gibt es kostenfrei an der Garderobe. Die Vitrinen sind 78 Zentimeter hoch und unterfahrbar, alle Ausstellungstexte liegen als Broschüre in Großdruck vor.

Für blinde und sehbehinderte Menschen führt ein taktiles Bodenleitsystem durch die Ausstellung. Sieben Hauptwerke lassen sich als Tastmodelle aus Filz, Textil und Holz erleben, ein kostenfreier Mediaguide beschreibt 17 Kunstwerke, auch auf dem eigenen Smartphone. Die Texte gibt es auf Deutsch und Englisch; Leichte Sprache und Deutsche Gebärdensprache sind in der Ausstellung selbst nicht vorgesehen, das Museum bietet aber Führungen in Gebärdensprache und Bildungsangebote in einfacher Sprache an. Im April 2026 wurde das Haus von „Reisen für Alle“ auf Barrierefreiheit geprüft.

Kontext und Bedeutung für die Berliner Kunstlandschaft

Die Berlinische Galerie wurde 1975 als Verein gegründet und ist seit 1994 ein Museum des Landes Berlin. Sie sammelt interdisziplinär Kunst, Fotografie, Architektur und Künstlerarchive, und die Dauerausstellung spiegelt diesen Ansatz wider. Seit 2004 ist das Museum in Kreuzberg zu Hause, in einem umgebauten ehemaligen Glaslager aus den 1960er Jahren.

Mit der Neuaufstellung 2025 und den Leihgaben des Stadtmuseums entstehen neue Perspektiven auf die Kunstgeschichte Berlins: Lokale Entwicklungen werden mit der internationalen Moderne verbunden, und Künstlerinnen, die lange im Schatten standen, rücken nach vorn.

Berlinische Galerie

Kunst in Berlin 1880–1980
Dauerausstellung

Berlinische Galerie
Museum für Moderne Kunst
Alte Jakobstraße 124–128
10969 Berlin-Kreuzberg

Mittwoch bis Montag 10–18 Uhr, dienstags geschlossen
Eintritt 14 €, ermäßigt 7 €, bis 18 Jahre frei

berlinischegalerie.de

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FAQ

Häufige Fragen zur Ausstellung „Kunst in Berlin 1880–1980“

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