Lohnt sich ein Kunststudium?
Malen kann man auch ohne Hochschule. Viele bedeutende Künstlerinnen und Künstler waren Autodidakten. Trotzdem entscheiden sich jedes Jahr viele Menschen bewusst für ein Studium der Freien Kunst oder Malerei, an einer Kunsthochschule, einer Akademie oder berufsbegleitend. Was bringt ein Studium, das man allein im Atelier nicht bekommt? Die wichtigsten Gründe im Überblick.
Zeit, Raum und Freiheit zum Experimentieren
Ein Studium schafft etwas, das im Berufsalltag selten ist: Zeit, sich über Jahre ganz auf die eigene Kunst zu konzentrieren. Man kann Medien und Techniken ausprobieren, scheitern und neu anfangen, ohne dass ein Bild sofort verkauft werden muss. Gerade dieses Experimentieren hilft, die eigene künstlerische Handschrift zu finden.
Lehre, Kritik und Austausch
- Begleitung durch erfahrene Künstlerinnen und Künstler: An vielen Akademien studiert man in der Klasse einer Professorin oder eines Professors, die die Entwicklung über Jahre begleiten.
- Kritik lernen: In Besprechungen lernt man, eigene und fremde Arbeiten zu analysieren, Kritik anzunehmen und sie für die eigene Arbeit zu nutzen.
- Gastkünstler und Mitstudierende: Der Austausch mit anderen, oft aus vielen Ländern, öffnet den Blick für andere Positionen und Arbeitsweisen.
Werkstätten, Technik und Theorie
- Werkstätten: Druckwerkstatt, Holz- und Metallwerkstatt, Fotolabor oder digitale Medien stehen zur Verfügung, die man sich allein kaum leisten könnte.
- Handwerk: Maltechniken, Materialkunde, Zeichnen nach der Natur und der Aufbau eines Bildes werden systematisch geübt.
- Kunstgeschichte und Theorie: Wer weiß, was es schon gab, kann die eigene Arbeit einordnen und über sie sprechen und schreiben, eine Fähigkeit, die später bei Bewerbungen und Ausstellungen zählt.
Netzwerk und Vorbereitung auf den Kunstmarkt
- Ausstellen: Jahresausstellungen, Rundgänge und Abschlussausstellungen sind oft die ersten öffentlichen Auftritte, bei denen Galerien und Sammler neue Positionen entdecken.
- Kontakte: Aus Mitstudierenden werden Kolleginnen, Ausstellungspartner und Freunde. Dozenten und Alumni vermitteln Kontakte zu Galerien, Kuratorinnen und Presse.
- Professionelles Arbeiten: Portfolio, Künstlertext, Bewerbungen um Stipendien und Preise und der Umgang mit Preisen und Verträgen gehören zum Handwerkszeug einer Künstlerin.
- Abschluss: Diplom oder Meisterschülertitel sind kein Erfolgsversprechen, aber sie werden von Galerien, Förderprogrammen und bei Lehraufträgen wahrgenommen.
Was ein Studium nicht garantiert
Ein Abschluss ersetzt weder Talent noch Ausdauer. Die Studienplätze an staatlichen Kunsthochschulen sind knapp, die Aufnahme ist ein harter Wettbewerb, und auch nach dem Diplom leben nur wenige Künstlerinnen und Künstler allein von ihren Verkäufen. Wer studiert, sollte das wissen, und sich trotzdem nicht entmutigen lassen.
Wege ins Kunststudium
An staatlichen Kunsthochschulen wie der Universität der Künste Berlin oder der Kunsthochschule Berlin-Weißensee führt der Weg in die Freie Kunst über eine Bewerbungsmappe und eine künstlerische Eignungsprüfung. Bei besonderer künstlerischer Begabung ist ein Studium oft auch ohne Abitur möglich. Wichtig ist eine Mappe, die eigenständige Ideen und eine persönliche Handschrift zeigt, viele bereiten sich dafür in Mappenkursen vor.
Wer Beruf und Familie nicht aufgeben kann oder später im Leben noch einmal anfangen möchte, findet Alternativen bei privaten Akademien, die Kunst berufsbegleitend oder als Fernstudium neben dem Beruf anbieten. Ein Alterslimit gibt es dabei nicht.
