Kunstmarkt

Das teuerste Bild der Welt

Das teuertste Bild der Welt trägt den Titel: „Salvator Mundi“ – Weltenretter. Das Renaissance Gemälde erzielte die Rekordsumme von 450 Millionen US-Dollar im New Yorker Auktionshaus Christie’s im Jahre 2017. Über eine ungeklärte Bild Zuschreibung soll Leonardo da Vinci das besondere Bild gemalt haben. 

Das teuertste Bild der Welt trägt den Titel: „Salvator Mundi“ – Weltenretter. Das Renaissance Gemälde erzielte die Rekordsumme von 450 Millionen US-Dollar im New Yorker Auktionshaus Christie’s im Jahre 2017. Über eine ungeklärte Bild Zuschreibung soll Leonardo da Vinci das besondere Bild gemalt haben. ©Carl Court/Getty Images

Wie wird ein vergessenes Bild zur Ikone?

Das teuerste Bild der Welt hing jahrzehntelang unbeachtet in einem Privathaus in New Orleans, fast wie ein vergessener Dachbodenfund. Seine Herkunft, sein Zustand und vor allem sein Maler sind bis heute umstritten. Das Gemälde heißt „Salvator Mundi“, also „Erlöser der Welt“. Es ist mit Ölfarbe auf eine Tafel aus Walnussholz gemalt und misst nur etwa 66 mal 46 Zentimeter.

Zu sehen ist Jesus Christus mit langen, gelockten Haaren in einem blauen Gewand. Mit der rechten Hand segnet er den Betrachter, in der linken hält er eine durchsichtige Kugel aus Bergkristall. Sie steht für die Welt und für den Himmel, den Christus in der Hand hält. Ein Detail macht Fachleute stutzig: Eine echte Kristallkugel würde das Gewand dahinter verzerrt und auf dem Kopf stehend zeigen. Auf dem Bild ist davon nichts zu sehen. Ausgerechnet Leonardo da Vinci, der sich intensiv mit Optik beschäftigt hat, soll diesen Effekt übersehen haben? Für die einen ist das ein Hinweis auf einen anderen Maler, für die anderen eine bewusste Entscheidung, damit die Kugel nicht vom Gesicht ablenkt. Wer mag, denkt bei der Kugel auch an eine Wahrsagerkugel – rätselhaft bleibt dieser Weltenretter mit den blonden Locken in jedem Fall.

Warum werden Kunst-Experten überrascht?

Die Geschichte des Bildes beginnt vermutlich um 1500 in Mailand. Leonardo da Vinci arbeitete damals für den französischen König Ludwig XII., der das Gemälde möglicherweise in Auftrag gab. Im 17. Jahrhundert besaß der englische König Karl I. einen „Salvator Mundi“, der in seinem Nachlass von 1649 verzeichnet ist. Ob es sich um genau dieses Bild handelt, ist nicht bewiesen. Danach verliert sich die Spur für rund 250 Jahre.

Im Jahr 1900 kauft der britische Sammler Sir Francis Cook das Gemälde für seine Sammlung in Richmond bei London. Zu diesem Zeitpunkt ist es stark übermalt: Gesicht und Haare wirken grob, das Bild gilt als Werk von Bernardino Luini, einem Nachfolger Leonardos. Am 25. Juni 1958 versteigern Cooks Erben 136 Gemälde bei Sotheby’s in London. Der „Salvator Mundi“ wird nur noch als Kopie nach Giovanni Antonio Boltraffio angeboten, einem Schüler Leonardos. Für gerade einmal 45 britische Pfund geht er an einen Käufer namens Kuntz. Wie sich erst Jahrzehnte später herausstellt, war das ein Möbelhändler-Ehepaar aus New Orleans.

Im April 2005 taucht das Bild bei einem kleinen Auktionshaus in New Orleans wieder auf. Die Kunsthändler Alexander Parish und Robert Simon aus New York erkennen, dass unter der Übermalung mehr stecken könnte, und kaufen es für 1.175 US-Dollar. Die Restauratorin Dianne Dwyer Modestini legt die alte Malschicht frei. Dabei entdeckt sie, dass der Daumen der segnenden Hand zunächst an einer anderen Stelle gemalt und dann korrigiert wurde. Solche Korrekturen, Pentimenti genannt, gelten als Hinweis auf ein Original: Wer kopiert, muss nichts verbessern.

2008 wird das Bild in der National Gallery in London einer kleinen Runde von Leonardo-Fachleuten gezeigt, darunter Martin Kemp, Pietro Marani und Carmen Bambach. Kemp und Marani sehen darin die Hand Leonardos. Bambach erklärt später, sie halte das Bild überwiegend für ein Werk Boltraffios, und widerspricht der Darstellung, es habe damals Einigkeit gegeben. Auch über das Alter streiten die Experten: Die National Gallery datiert es auf um 1500, Kemp eher auf die Zeit nach 1507. Dass ein Bild, das 1958 für 45 Pfund den Besitzer wechselte, plötzlich als Leonardo gilt, überrascht die Kunstwelt bis heute.

Aus welchen Gründen wird es das teuerste Bild der Welt?

Den Durchbruch bringt die Ausstellung „Leonardo da Vinci: Painter at the Court of Milan“ in der National Gallery in London, die von November 2011 bis Februar 2012 läuft. Dort hängt der „Salvator Mundi“ als Werk Leonardos neben gesicherten Gemälden des Meisters. Von Leonardo sind weltweit nur rund 15 bis 20 Gemälde erhalten, fast alle in Museen. Ein Leonardo in Privatbesitz ist eine Sensation.

Im Jahr 2013 vermittelt das Auktionshaus Sotheby’s das Bild ohne öffentliche Versteigerung an den Schweizer Kunsthändler Yves Bouvier, der rund 80 Millionen US-Dollar zahlt. Kurz darauf verkauft Bouvier es für 127,5 Millionen Dollar an den russischen Milliardär Dmitri Rybolowlew weiter. Als Rybolowlew von dem Aufschlag erfährt, verklagt er Bouvier. Der jahrelange Rechtsstreit wird als „Bouvier-Affäre“ bekannt.

Am 15. November 2017 lässt Rybolowlew das Bild bei Christie’s in New York versteigern. Das Auktionshaus bewirbt es als „The Last Leonardo“ und zeigt es vorab in Hongkong, London und San Francisco. Ungewöhnlich: Das Renaissance-Bild kommt nicht bei den Alten Meistern unter den Hammer, sondern in einer Auktion für Gegenwartskunst. Nach rund 19 Minuten Bietgefecht am Telefon fällt der Hammer bei 400 Millionen Dollar, mit Gebühren sind es 450,3 Millionen. Nie zuvor wurde für ein Kunstwerk mehr bezahlt.

Als Käufer tritt der saudische Prinz Badr bin Abdullah auf, Berichten zufolge im Auftrag von Kronprinz Mohammed bin Salman. Der Louvre Abu Dhabi kündigt an, das Bild 2018 zu zeigen, sagt die Präsentation aber kurzfristig ab. Auch bei der großen Leonardo-Ausstellung im Pariser Louvre 2019 fehlt es. Seitdem hat die Öffentlichkeit das teuerste Bild der Welt nicht mehr gesehen. Wo es sich heute befindet, ist offiziell nicht bekannt.

Welche Gemälde sind die teuersten der Welt?

Der „Salvator Mundi“ führt die Liste der teuersten Gemälde mit großem Abstand an. Die Rangliste enthält öffentliche Auktionen und bekannt gewordene Privatverkäufe. Bei privaten Verkäufen beruhen die Preise oft auf Presseberichten und sind nicht offiziell bestätigt. Stand: Anfang 2026, Preise in US-Dollar ohne Inflationsausgleich.

  • Leonardo da Vinci: „Salvator Mundi“ – 450,3 Millionen (2017, Auktion bei Christie’s)
  • Willem de Kooning: „Interchange“ – rund 300 Millionen (2015, privat)
  • Paul Cézanne: „Die Kartenspieler“ – über 250 Millionen (2011, privat)
  • Gustav Klimt: „Bildnis Elisabeth Lederer“ – 236,4 Millionen (2025, Auktion bei Sotheby’s)
  • Paul Gauguin: „Nafea Faa Ipoipo?“ – rund 210 Millionen (2014, privat)
  • Jackson Pollock: „Number 17A“ – rund 200 Millionen (2015, privat)
  • Andy Warhol: „Shot Sage Blue Marilyn“ – 195 Millionen (2022, Auktion bei Christie’s)
  • Mark Rothko: „No. 6 (Violet, Green and Red)“ – rund 186 Millionen (2014, privat)
  • Gustav Klimt: „Wasserschlangen II“ – rund 184 Millionen (2013, privat)
  • Rembrandt: Bildnisse von Marten Soolmans und Oopjen Coppit – rund 180 Millionen (2015, privat)

Auffällig: Zwei Bilder der Liste gingen ebenfalls über Yves Bouvier an Dmitri Rybolowlew – Rothkos „No. 6“ und Klimts „Wasserschlangen II“. Auch sie gehören zur „Bouvier-Affäre“. Das Rembrandt-Paar kauften der Louvre und das Rijksmuseum gemeinsam; seitdem wechseln die beiden Bildnisse zwischen Paris und Amsterdam.

War der Artikel hilfreich?

FAQ

Häufige Fragen zum teuersten Bild der Welt

Nach oben