Ein Kunststudium, das mehr verändert als die Technik
Viele Erwachsene fragen sich, ob ein Kunststudium später im Leben noch sinnvoll ist. Abby McRey hat diesen Schritt gewagt. Ihr Weg zeigt, dass ein berufsbegleitendes Kunststudium nicht nur technisches Wissen vermittelt, sondern auch Selbstvertrauen, künstlerische Klarheit und erste professionelle Sichtbarkeit schaffen kann.
Vor dem Studium arbeitete Abby vor allem intuitiv. Sie malte und zeichnete aus dem Bauch heraus, ohne genau zu wissen, welche Materialien dauerhaft zusammen funktionieren, wie wichtig Grundierung, Formatwahl oder Papierqualität sind und worauf es bei einer Bewerbungsmappe wirklich ankommt. Heute blickt sie klar auf diese Phase zurück: Viele ihrer früheren Entscheidungen würde sie so nicht mehr treffen.
Vor dem Studium: intuitiv, aber ohne professionelle Grundlage
Abby beschreibt ihre Arbeit vor dem Studium als stark intuitiv, aber wenig fundiert. Ihr fehlte das Wissen über Materialverträglichkeit, Formate, Grundierungen und Haltbarkeit. Gerade bei der Bewerbungsmappe erkennt sie im Rückblick deutliche Schwächen.
Eine Mappe in kleinen Formaten wie DIN A4 würde sie heute nicht mehr einreichen. Auch die Kombination ungeeigneter Materialien war ein typischer Anfängerfehler. Erst im Studium verstand sie, warum bestimmte Farben und Untergründe nicht zusammenpassen und was das für Qualität und Langlebigkeit eines Kunstwerks bedeutet. Wer gerade vor dieser Aufgabe steht, findet Hinweise im Ratgeber Kunstmappe erstellen.
So entstand ein professioneller Blick auf Material, Technik und Präsentation: Hochwertige Farben, gutes Papier, passende Untergründe und die richtige Lagerung sind für ernsthafte künstlerische Arbeit entscheidend.
Kunst studieren mit 30+: warum Erwachsene oft bewusster lernen
Vor dem Studium waren Abbys künstlerische Erfolge überschaubar. Sie zeichnete und malte vor allem für sich selbst oder verschenkte Bilder an Familie und Freunde. Ein professionelles Netzwerk gab es kaum, erst das Studium öffnete diesen Bereich.
Gerade für Erwachsene ist das ein wichtiger Punkt: Ein Kunststudium für Erwachsene bedeutet nicht nur künstlerisches Arbeiten, sondern auch Feedback, Austausch und professionelle Orientierung. Abby hat im Studium verstanden, wie wichtig Netzwerken für Künstlerinnen und Künstler ist: aktiv mit anderen über die eigene Kunst ins Gespräch kommen und Rückmeldungen einholen.
Warum sie sich für die Achtzig Kunstakademie entschied
Für Abby war die Entscheidung klar. Sie wollte keine anonyme Schule mit großen Gruppen, starren Lehrplänen und rein theoretischer Ausrichtung. Ausschlaggebend war der Eindruck, dass Kunst hier mit Erfahrung, Freude und Praxisbezug vermittelt wird.
Besonders schätzt sie die individuelle Betreuung. Statt in einer großen Klasse unterzugehen, erlebte sie den Unterricht als persönlich und flexibel und konnte Themen gezielt vertiefen. Als sich zeigte, dass sie die abstrakte Kunst besonders interessiert, rückte genau dieser Bereich in den Mittelpunkt. Das ist für viele Erwachsene entscheidend: Sie wollen nicht irgendetwas studieren, sondern gezielt an ihrer eigenen künstlerischen Richtung arbeiten.
Die eigene Handschrift: von Aquarell bis abstrakte Kunst
Ein zentraler Schritt war die Suche nach der eigenen Handschrift. Vor dem Studium wusste Abby noch nicht, in welche Richtung sie gehen wollte. Sie experimentierte mit abstrakter Malerei, Aquarell, Tusche, Linoldruck und Fotografie. Die abstrakte Kunst faszinierte sie, weil sie viel komplexer ist, als sie auf den ersten Blick wirkt: ein anspruchsvolles Feld, das Planung, Wissen und Sensibilität verlangt.
- Linoldruck machte ihr mehr Freude als erwartet, obwohl er Konzentration, Genauigkeit und Geduld verlangt.
- Tusche erlebte sie in ihrer Unberechenbarkeit als spannend und herausfordernd zugleich.
- Aquarell entsprach ihrer Persönlichkeit am meisten, kontrollierter und zugleich lebendig.
Diese Offenheit half ihr, die eigenen Vorlieben zu erkennen und ihren Stil bewusst zu entwickeln.
Mehr als Malerei: Kindergeschichten und Illustrationen
Im Laufe des Studiums öffnete sich ein weiterer kreativer Bereich: Abby begann, Kindergeschichten zu schreiben und zu illustrieren. Das gehörte ursprünglich nicht zum Studienprogramm, wurde aber zum wichtigen Ausgleich zur Diplomarbeit.
Entscheidend war, dass diese Idee nicht abgeblockt, sondern ernst genommen wurde: Die Geschichten und Illustrationen fanden sogar Eingang in die Diplomausstellung. Für Abby ein Beweis, dass künstlerische Professionalität nicht in starren Vorgaben entsteht, sondern dort, wo eigene Interessen wachsen dürfen.
Die Diplomausstellung: vom Studium in die Öffentlichkeit
Ein Höhepunkt war die Diplomausstellung „Zwischen Traum und Wirklichkeit“ in der Berolina Galerie im Rathaus Mitte, mit rund vierzig Werken. Für Abby wurde sie zum emotionalen Wendepunkt: Zum ersten Mal bekam sie an einem einzigen Abend direktes Feedback von vielen Menschen, wertvoller als jeder anonyme Online-Kommentar.
In diesem Moment wurde ihr klar, dass sie sich als freie Künstlerin verstehen darf. Besonders eindrücklich: Einige Werke, an denen sie selbst gezweifelt hatte, kamen beim Publikum besonders gut an. Die Ausstellung zeigte ihren ganzen Weg, von frühen Mappenarbeiten über Stillleben, Porträt, Aquarell, Tusche und Linoldruck bis zu abstrakten Werken, Fotografien und ihren Kindergeschichten.
Abby McRey über ihre Diplomausstellung
Im Gespräch zur Diplomausstellung „Zwischen Traum und Wirklichkeit“ erzählt Abby McRey von ihrem Weg an der Achtzig Kunstakademie Berlin.
Diplomausstellung „Zwischen Traum und Wirklichkeit“
Netzwerken, Sichtbarkeit und erste Ausstellungen
Schon während des Studiums sammelte Abby Ausstellungserfahrung. Sie betont, dass im Studium nicht nur Technik und Theorie wichtig waren, sondern auch Marketing, Präsentation und Vernetzung. Kunst, die nicht gesehen wird, bleibt unsichtbar. Deshalb gehört professionelle Sichtbarkeit für sie zu einer ernsthaften künstlerischen Ausbildung dazu.
Kunst als zweiter Lebensweg
Abbys Geschichte zeigt, dass Kunst kein Hobby bleiben muss. Ursprünglich arbeitete sie in der Gastronomie in leitender Funktion. Nach der Coronazeit fiel dieser sichere Berufsweg weg, und es stellte sich die Frage nach einem neuen, tragfähigen Weg. Ein Quereinstieg in die Kunst wurde zur Antwort.
Heute will sie sich in der Kunstszene einen Namen machen, weiter ausstellen und auch im Alter künstlerisch arbeiten. Sie denkt an Ausstellungen, Kinderbücher, Illustrationen und Verbindungen zum Interior Design. Kunst ist für sie nicht nur Leidenschaft, sondern eine berufliche Perspektive.
Würde sie das Kunststudium weiterempfehlen?
Ihre Antwort ist eindeutig: ja. Abby würde das Studium jederzeit wieder machen. Sie beschreibt die Studienzeit als motivierend, persönlich, praxisnah und menschlich unterstützend. Wichtig war ihr vor allem, nicht als „eine von vielen“ behandelt zu werden, sondern als Mensch mit eigener Entwicklung, eigenen Interessen und eigenem Tempo.
„Der Entschluss, Kunst zu studieren, war die beste Entscheidung meines Lebens.“
(Abby McRey)
Fazit: Kunst studieren mit 30+ kann ein Wendepunkt sein
Abby McReys Geschichte zeigt, dass ein Kunststudium für Erwachsene weit mehr sein kann als Weiterbildung: ein Neuanfang, ein zweiter Lebensweg, ein professioneller Rahmen für vorhandene kreative Energie und der Schritt vom intuitiven Arbeiten zu einer bewussten künstlerischen Praxis.
Wer mit über 30 über ein Kunststudium nachdenkt, sollte sich vielleicht nicht fragen: „Bin ich zu spät?“, sondern: „Was wäre möglich, wenn ich jetzt beginne?“ Auch ohne Abitur ist der Weg offen, mehr dazu im Ratgeber Studieren ohne Abitur.
Weiterlesen: Weitere Studierende erzählen in LIVE-Interviews von ihrem späten Einstieg: Kunst studieren ohne Vorbildung: freie Malerei für Quereinsteiger, Autodidakten und Ü30.
Unverbindlich beraten lassen
Wie ein berufsbegleitendes Kunststudium konkret aussehen kann, mit oder ohne Kunstmappe: Rufen Sie an oder schreiben Sie eine E-Mail.
Achtzig Kunstakademie Berlin
Telefon: 0178 44 82 997
E-Mail: diana.achtzig(at)googlemail(punkt)com